Wallfahrt, Bittgänge

Markus-Bittgang

Die erste Flurprozession des Jahres führt Gläubige aus Kottgeisering am Abend des Markustags, dem 25. April (Todestag des Evangelisten Markus im Jahr 66 n.Chr.) nach St. Rasso, Grafrath und nach einer Messe wieder zurück nach St.Valentin. Immer voran ein schön geschmücktes Vortragekreuz. Um gutes Gedeihen der Feldfrüchte, um Regen und Schutz vor Dürre und Hagelschlag wird gebetet. Laut Kath.Kirchenlexikon ist dieser Bittgang "ein christlicher Ersatz für die römisch-heidnische Flurprozession der Robigalia, die am 25.April stattfand; das Zusammentreffen mit dem Markusfest ist zufällig und späteren Datums".

Grünsink und Türkenfeld

Zwei weitere Bittgänge fanden in der sogenannten Bittwoche, also der Woche vor Christi Himmelfahrt statt: nach Grünsink und Türkenfeld. Das genaue Anliegen beim Bittgang nach Grünsink, dem von Kottgeisering aus nächstgelegenen Marienwallfahrtsort bei Weßling, ist nicht überliefert. Der Fußmarsch ins Nachbardorf Türkenfeld galt der Verehrung des heiligen Silvester, einer der vielen Patrone für Rösser, die ja damals in größerer Anzahl im Ort gehalten wurden. Die Tradition dieser beiden Bittgänge hat sich verloren.

Fürstenfeld

Geschichte ist ebenso die Wallfahrt nach Fürstenfeld. Diese ging zurück auf ein Gelübde der Kottgeiseringer, die versprachen, anlässlich der kampflosen Einnahme Kottgeiserings durch die Amerikaner, 15 Jahre lang jährlich eine Wallfahrt zum Kloster Fürstenfeld zu machen. Gustl Schmid bot sich bei Kriegsende den von der Bahn her anrückenden Amerikanern als Geisel an. Auf dem ersten Panzer sitzend, war er lebender Garant für eine reibungslose Übergabe.

Andechs-Wallfahrt

An Christi Himmelfahrt beginnt die Fusswallfahrt nach Andechs um 1/2 5 Uhr früh. Zwischen Stegen und Herrsching wird mit dem Schiff gefahren. Nach der Wallfahrermesse gibt es eine ausgiebige Brotzeit mit dem berühmten Andechser Bier, damit der Rückweg nicht zu schwer fällt. Die alten Kottgeiseringer brachten den daheimgebliebenen Kindern Süssigkeiten von der Wallfahrt mit, oder in Zinn gegossene Wallfahrtsandenken. Kirchengeläut kündigt die Heimkehrer an.  

Es folgt ein Flurumgang zu den vielen Feldkreuzen und Bildstöcken in der Kottgeiseringer Gemeindeflur, sowie eine Lichterprozession mit Andacht an einem Maiabend zur 1901 errichteten Lourdes-Grotte westlich des Dorfes.

Willibald-Bittgang

Der Bittgang im Juli nach St. Willibald bei Jesenwang ist der letzte des Jahres. Er geht wohl auf die Bitte um Segen für die Bauernrösser zurück. Die dortige Kirche erhielt 1766 Reliquien des hl.Willibald aus Eichstätt. Dass dieser Heilige auch von der Landbevölkerung verehrt wurde, bezeugen die vielen Hufeisen, die dort in der Kirche hängen.